Unsere Amira rollt über Land
RAM-Mitarbeiter ziehen das Boot aus dem Fluss / Byron parkt es millimetergenau ein
Von Renate Rüger, 28. Juni 2026
Guatemala – Unsere Amira fährt eine kleine Anhöhe hoch, stoppt, wendet und rollt um die Ecke den Abhang hinunter – wie von Geisterhand. Unheimlich mag das auf einen unbedarften Zuschauer wirken. Doch Byron hat alles im Griff. Der Vorarbeiter der RAM-Marina hat die Fernsteuerung für den Boots-Fahruntersatz um den Hals hängen. Über einen Joystick lenkt er unsere Amira millimetergenau über das RAM-Gelände und durch andere Schiffe hindurch.

Für uns kommt das alles plötzlich, hatten die Arbeiter doch lange gebraucht, um die Arme des fahrbaren Untersatzes sicher unter unserer Amira zu positionieren. Mit einem anderen Gestell und einem speziellen Wagen hatten sie das Boot vormittags aus dem Wasser des Rio Dulce gezogen – eine aufwendige Prozedur. Da sich der nächste Schritt hinzog, waren wir einen Kaffee trinken gegangen. Und schon war die Amira nicht mehr an ihrem vorherigen Platz.

Wie alles abläuft und wer was macht, wissen wir vom letzten Jahr. Damals war die Amira das erste Mal auf diese Art und Weise aus dem Wasser geholt worden. Alles déjà vu. Traurigkeit macht sich deshalb bei uns breit. Kuba, Bahamas, wo wollten wir nach der Hurrikan-Pause am Rio Dulce noch alles hin? Durch den Panama-Kanal sollte es Anfang März gehen und dann nach Französisch-Polynesien. Nichts ist daraus geworden. „Gehe zurück auf Los!“, heißt es nun. Wir sind wieder dort, wo wir vor einem Jahr waren. „Denk nicht darüber nach!“, sagt Peter. „Hey! Wir werden im November aufbrechen und im Dezember in Panama sein!“ Außerdem hatten wir eine schöne Zeit mit Peter und Dorothée von unserem Buddyboot Pia in Belize und Mexiko sowie mit anderen Freunden auf den Islas de la Bahía.

Die Amira fährt weiter. Nun lässt Byron sie stoppen. Ein kleines Segelboot namens Jericho steht dort, wo die Amira hin soll. Schon laufen RAM-Mitarbeiter auf den Einrumpfer zu. Alles ist vorbereitet. Mit einem fahrbaren Kran, einem sogenannten Travellift, soll die Jericho umgehoben werden. Die Textilgurte unter ihrem Rumpf sind bereits fixiert. Nun wird sie angehoben, die Arbeiter ziehen die Stützen unter dem Boot weg. Die Jericho hängt, schaukelt ein wenig in der viereckigen Box aus Stahlträgern. Der Travellift setzt sich in Bewegung, fährt zur Seite. Jetzt lenkt Byron per Fernsteuerung wieder unsere Amira, knapp geht es an einem anderen Katamaran vorbei und dann zielsicher in die „Parkbox“. Der fahrbare Untersatz wird entfernt, die Stützen gesetzt. Wenige Minuten später setzt der Travellift die Jericho vor unserer Amira ab. Wir stehen in zweiter Reihe, um uns herum nur Schiffe auf dem Trockenen.













