Tulum IV: Sushi im Baumhaus
Natur, Kunst und Spiritualität – Wir landen per Zufall im Azulik-Projekt von Architekt Roth
Von Renate Rüger, 13. April 2026
Mexiko – Abends, nach dem Besuch der Ruinen und der Gran Cenote, gönnen wir uns ein Essen im japanischen Restaurant, das in einem ganz speziellen Baumhaus-Dschungel-Komplex steckt – was wir allerdings erst vor Ort bemerken. Azulik nennt sich das organisch gebaute Gebilde, ein Resort mit Kunst, Spa, Unterkünften und eben mehreren Restaurants. Die Eingangsdame weist uns die Richtung, wir folgen dem verschlungenen Weg über Brücken, Stege und erhöhte Wege bis zur nächsten Dame, die uns zeigt, wo‘s weitergeht. Eine Holztreppe hoch, dann durch ein Restaurant auf mehreren Ebenen, das runde Tische in Nestern anbietet, die mit Stegen und Hängebrücken miteinander verbunden sind – mit Blick aufs Meer und über den Dschungel, abgesichert mit Netzen, falls einmal jemand aus dem Nest fallen sollte. Sind wir hier noch auf dem richtigen Weg? Vor einer langen Hängebrücke deutet eine weitere Dame an, dass der Japaner am anderen Ende wartet. Und tatsächlich: Jetzt sind wir da, tief beeindruckt von der gesamten Architektur. Da ist es nicht weiter schlimm, wenn das Sushi zwar okay, aber nicht den hohen Preisen entsprechend hervorragend ist.

Der Mensch sitzt „wie in einem Nest“ in der Natur: Das gehört zum Konzept des Architekten Eduardo Neira mit dem Künstlernamen Roth. Er arbeitet eher intuitiv als planerisch, versteht Architektur als „Wachsen lassen wie in der Natur“ und lehnt rechte Winkel bewusst ab. Gerade Linien gebe es in der Natur nicht und schränkten das Wohlbefinden der Menschen ein, sagt Roth. Für seine Gebäude wird in der Regel kein Baum gefällt, die Mauern werden vielmehr um die Bäume herum gebaut. Formen entwickeln sich während des Bauens, fertige Baupläne gibt es nicht. Dazu passend verwendet Roth bevorzugt Material aus der Region wie Bejuco-Lianen, Holz und Naturstein, aber auch organisch geformtes Beton. Das 2010 gestartete Azulik-Projekt in Tulum gilt als ganzheitliches Architekturkonzept, das Natur, Kunst und Spiritualität verbindet. Noch heute wird daran gearbeitet – gebaut, verändert, erweitert.













