Regenzeit am Rio Dulce

Guatemala – Regen hämmert auf das Wellblechdach, hart, laut und immer schneller. Mehr Wasser schüttet, prasselt, donnert so laut, dass wir unsere eigenen Worte nicht mehr hören können. In der RAM-Marina gibt es zwei Appartments mit jeweils drei Schlafzimmern, zwei Badezimmern und einem gemeinsamen Küchen-Wohnraum. Wir sind in einem davon. Es ist besser als jetzt auf dem Schiff an Land zu schlafen, zumal wir dann nachts durch den Regen und zwischen den ganzen Stelzen, auf denen Schiffe stehen, hindurch zu den Toiletten würden gehen müssen. Nachts regnet es immer. Manchmal nur phasenweise, manschmal fast pausenlos die ganze Nacht durch. Tagsüber ist es besser, es ist heiß-schwül und meist sonnig. Doch wenn es regnet, dann regnet es heftig, dann fühlt sich das auf den nackten Armen und Beinen wie tausend Stiche an. Es ist Regenzeit am Rio Dulce. Und es ist die Zeit der Blitze. Die können für unsere Amira und die anderen Boote gefährlich werden, ein Blitzeinschlag und sämtliche Elektronik auf dem Boot ist zerstört. Für Millisekunden erhellt sich die Werft, einmal, ein zweites Mal, eine Sekunde später folgt Donner. Oft, viel zu häufig, kracht es genau über uns. Dann zucken wir jedesmal zusammen. Geht es unserer Amira noch gut? 

Der typische Blick vom Café aus auf die Tankstelle. Hier treffen sich regelmäßig die Segler.
Der typische Blick vom Café aus auf die Tankstelle. Hier treffen sich regelmäßig die Segler.

Nach Deutschland in mehr als 42 Stunden

Für sechs Wochen werden wir diesem Wetter entfliehen und die Amira alleine lassen. Wir machen Urlaub in Deutschland und freuen uns darauf, Kinder, Eltern und Freunde wiederzusehen. Der Countdown läuft. Donnerstag geht es los. Vom Rio Dulce aus ist es wie immer eine recht beschwerliche Reise: 8.50 Uhr mit dem Tuk-Tuk zum Bus, siebeneinhalb Stunden Fahrt nach Guatemala City (270 km), gegen 17 Uhr von der Litegua-Busstation zum Hotel, 3 Uhr Aufstehen, 4 Uhr Einchecken am Flughafen, 6.15 Uhr Abflug nach Houston, Texas. Über 21 Stunden sind wir dann schon unterwegs. 10.19 Uhr Landung in den USA (Zeitverschiebung + 1 Stunde) Schlangen bei der US-Passkontrolle, Hieven der Koffer aufs Band für den Anschlussflug, die restlichen acht Stunden Warten, 18.20 Uhr Abflug, am nächsten Tag 11.15 Uhr (Zeitverschiebung + 7 Stunden) Landung in Frankfurt – nach einer Reisezeit von 32 Stunden. 14.15 Uhr Zug nach Berlin-Spandau, 20 Uhr Ankunft, mit der U-Bahn und zu Fuß weiter zur Airbnb-Unterkunft und Warten auf die Schlüsselübergabe. Alles in allem eine Reise von theoretisch etwa 42 Stunden mit vier Verkehrsmitteln. Theoretisch, wenn denn all die Fahrtzeiten eingehalten werden würden… Die Deutsche Bahn hat bereits am Mittwoch eine Verspätung von 28 Minuten angekündigt.

Nelson (links) und sein Mitarbeiter Oscar hieven den Generator hoch, Peter achtet darauf, dass die Maschine in der Balance bleibt.

Arbeiten im Hurrikan-Loch

Es gibt also bessere Hurrikanlöcher (Hurricane Holes), um nach Europa zu fliegen. Aber wir haben uns bewusst für die RAM-Marina entschieden, weil wir hier die Leute kennen. Und deshalb sind wir vermutlich mit den Arbeiten am Boot weiter fortgeschritten. Nelson und Oscar haben den schweren Generator aus dem Rumpf geholt, ein RAM-Mitarbeiter hat ihn mit einem Bagger vom Schiff auf den Boden geholt, wo er nun schon und leider immer noch zum Abholen für eine gründliche Reinigung und Überholung steht. Chris ist gerade dabei, die Hydraulik für den Autopiloten zu installieren, für die Caesar extra noch eine Halterung hatte angefertigen müssen. Ryan hat unser Rigg überprüft, also Mast, Baum und Stützdrähte. Die gefundenen Mängel will er am Sonntag beseitigen.

Oscar befestigt unseren Generator an der Baggerschaufel.
Oscar befestigt unseren Generator an der Baggerschaufel.

Wasser von oben, aber nicht aus dem Hahn

Auch wir waren fleißig, haben uns im letzten Monat nicht nur WM-Fußballspiele angeschaut und sind Essen gegangen. Wir haben im Schiff für die Kabelverlegung und ähnliche Arbeiten ständig Kabinen aus- und wieder eingeräumt, im Appartment Ameisen und einen Skorpion bekämpft, das Boot für den „Sommerschlaf“ geputzt und abgedeckt sowie die Schutzdämpfung am Dinghy repariert. Den neuen Schalter für die Druckregelung der Wasserpumpe hat Peter vergeblich eingebaut, am Ende musste er doch die ganze Pumpe gegen eine neue austauschen. Es fehlen nun nur noch die Stützringe für die Schläuche, damit alles dicht ist und wir wieder Wasser aus dem Hahn laufen lassen können.

Peter zieht in der RAM-Marina die Schutzdämpfung am Dinghy zurecht.
Peter zieht die Schutzdämpfung am Dinghy zurecht.

Vier Tage habe ich derweil vergeblich an der Blogseite von Sailing Amira gesessen, damit alles auch auf dem Tablet im Hoch- und Querformat sowie auf dem Handy zu lesen ist. Die Vorschauen der Seite sahen gut aus, das Ergebnis an den echten Geräten jedoch war eine Katastrophe – weil die Vorschau einfach nicht funktionierte. Darauf muss man erst einmal kommen und dann alles mehr oder weniger nach Gefühl und grober Abschätzung wiederholen. Was nun noch fehlt ist die Überprüfung der PC-Übersetzung und, und, und.

Sailing Amira: Chris hilft beim Abschöpfen des Wassers, in dem die Lithium-Batterien stehen
Chris hilft beim Abschöpfen des Wassers, in dem die Lithium-Batterien stehen.

Lithium-Batterien im Wasser

Es ist wie immer und wie bei Allem auf dem Boot: Ein Problem wird gelöst und dabei tut sich ein neues auf. Oder ein anderes wird per Zufall entdeckt, wie neulich ein durchgerosteter Rohranschluss oder davor die drei in Wasser stehenden Lithium-Batterien. Als wir die entdeckten, befürchteten wir schon, dass das Wasser noch über die Batterien laufen und sie damit beschädigen könnte. Die Ursache: eine kleine Pumpe, die das Kondenswasser der Klimaanlage absaugen soll. Für dieses defekte Teil liegt bei Sabine in Bocholt bereits ein Ersatz bereit. Viele andere Teile fürs Schiff müssen wir in Deutschland noch besorgen, ebenso wie Medikamente für die Pazifiküberquerung.


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