Schweineinseln statt Schweinebucht
Im geschützten Meeres-Nationalpark Cayos Cochinos von Honduras
Von Renate Rüger, 30. April 2026
Wir bleiben nur kurz auf Utila und fahren zu den Cayos Cochinos weiter, den Schweineinseln. Nein, mit der Schweinebucht (Bahía de Cochinos) von Kuba hat das nichts zu tun. Diese Bucht hätten wir gerne besucht – wegen ihres angeblich traumhaften Sandstrandes und noch mehr wegen ihrer politischen Bedeutung. Im April 1961 waren hier rund 1300 Exilkubaner mit Unterstützung des US-Geheimdienstes CIA gelandet, um Fidel Castros Revolutionsregierung zu stürzen. Der von den USA organisierte Angriff ging schief und führte im Oktober 1962 zur Kuba-Krise. Jetzt, 65 Jahre später, will US-Präsident Donald Trump die kubanische Regierung in die Knie zwingen. Die Versorgungslage auf der Insel wird immer dramatischer, droht zu einer humanitären Katastrophe zu werden, und die USA kündigen weitere Sanktionen an. Als wir später am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, auf den Cayos Cochinos schnorcheln und tauchen, demonstrieren auf Kuba Hunderttausende von Menschen gegen das US-Embargo und die wiederholten Drohungen Trumps. Der wiederum erklärt, die USA würden Kuba „fast sofort übernehmen“ und deutet an, dass nach dem Ende des Iran-Krieges ein Flugzeugträger vor die kubanische Küste geschickt werden könnte.

Woher kommen die Schweine im Namen?
Statt in der Schweinebucht von Kuba sind wir nun also auf den Schweineinseln von Honduras. Warum das „Schwein“ in beiden Namen steckt? In Kuba könnte die Bezeichnung vom Atlantischen Drückerfisch stammen, der im Volksmund „Cochino“ genannt wird und in der Bucht zu finden ist. Eine andere Theorie – und diese gibt es ebenfalls in Honduras – bezieht sich tatsächlich auf das Säugetier: Spanische Siedler, Seefahrer oder Piraten haben demnach Schweine ausgesetzt, um bei späteren Stopps eine zuverlässige Fleischquelle zu haben. Die Schweine verwilderten und vermehrten sich, weshalb die Orte nach ihnen benannt wurden.

Gegen Wind und Welle hat die Amira wieder einmal angekämpft, um die Cayos Cochinos zu erreichen. Der etwa 30 Kilometer vor der Nordküste von Honduras liegende Archipel besteht aus den zwei grünen Hauptinseln Cayo Mayor und Cayo Menor sowie 13 kleineren Sand- und Koralleninseln. Wir peilen die Cayo Mayor an. Vom Segeln können wir nur träumen, die Motoren laufen auf Hochtouren. Die Fox, die wir etwa eine halbe Stunde vor der Einfahrt zum Ankerplatz sehen, hatte es da besser. Sie kam von Guanaja und konnte gemütlich und zügig mit dem Wind segeln. Und: Sie hat nun keine Salzkruste wie unsere Amira, die wir am liebsten gleich wieder abspritzen würden, es aber mangels Wasser nicht können. Wie schön, die Fox-Crew Cathy und Carlo wiederzusehen! Die beiden haben die letzte Hurrikan-Saison ebenfalls in der RAM-Marina in Guatemala verbracht und gemeinsam werden wir auch die im Juni beginnende nächste Hurrikan-Saison dort „übersommern“.
Rosa Boa statt rosa Schweine

Zusammen sind wir nun im streng geschützten Meeres-Nationalpark und die Rangers lassen nicht lange auf sich warten, um die dafür fällige Gebühr zu kassieren. „46 Dollar für einen Tag oder 92 US-Dollar für einen Monat?“, fragt ein Ranger freundlich, während drei seiner vier Kollegen breitbeinig mit Sturmgewehren neben ihm im Motorboot stehen. Klar, dass wir die Monatsgebühr wählen. Am nächsten Tag bringen sie uns noch die Quittung und bedanken sich freundlich für unsere Geduld. Kurz darauf treffen wir Cathy und Carlo am Steg der Tauchstation und machen dort einen Termin aus.

Wo ist denn der Weg zum Leuchtturm und zum Dorf am East End?, fragen wir. Der Tauchführer zeigt sich überrascht und deutet mit seiner Hand gen Osten. Ein Schild weise auf den Weg hin, wir sollten dann den Markierungen an den Bäumen folgen. Am Schild jedoch laufen wir vorbei, ist doch auf dem Holz überhaupt nichts mehr zu lesen. Wir passieren zwei Hütten, folgen roten Bändchen an den Bäumen, nein hier geht es doch nicht weiter, also zurück. Nein, der andere Trampelpfad führt zurück zur Hütte. Wohin? Während Cathy und ich weiter die Umgebung auskundschaften, begegnen Peter und Carlo einem Amerikaner, der sich auskennt. Schaut her, hier die Boa rosada, da noch eine und noch eine, erklärt er und zeigt auf die kleinen rosa-graufarbigen Schlangen (wissenschaftlich auch Boa imperator genannt), die auf kleinen Ästen ruhen. „Die rosa Boas gibt es nur hier auf den Cayos Cochinos.“ Die, die wir sehen, sind noch sehr klein. Aber diese Würgeschlange könne richtig groß und fett werden, wenn auch nicht ganz so groß wie die Boas auf dem Festland, sagt der Amerikaner. „Für den Menschen sind sie völlig ungefährlich.“








