Plastikmüll am Strand des Garifuna-Dorfes East End auf den Cayos Cochinos, Honduras

Segler und Garifuna sammeln Plastik

Mission 1000 Tonnen

Durchsichtige Wasserflaschen aus Plastik, schwarze und silberne Kunststofflaschen, in denen noch Ölreste stecken, Fläschchen in Rot oder Gelb, Flip-Flops und Schlappen ebenso bunt, und, und, und… Die Plastikteile türmen sich am Strand der Cayo Mayor teilweise so, als hätte sie jemand dort bereits zusammengelegt. Aber auch im Gestrüpp verteilt liegt jede Menge schlecht verrottbarer Abfall – dunkle Flecke im Paradies, auf einem Archipel, das zum Meso-American Barrrier Reef gehört, dem größten Barriereriff Amerikas und dem zweitgrößten der Welt.

Der ganze Müll stammt nur zu einem Teil von den Garifuna, die auf den Cayos Cochinos leben. Ein Großteil wurde angeschwemmt. „Das muss man den Einheimischen immer wieder sagen, um sie nicht zu beschämen“, sagt Melanie von der kanadischen Initiative „Mission 1000 Tonnes“. Gemeinsam mit ihrem Mann Eric hat sie 12 Segler und 23 Einheimische zusammengetrommelt, um den Strand des Dorfes East End zu säubern. Schulkinder sind dabei und sogar Mitglieder der honduranischen Marine, die die Ranger herübergeschickt haben.

Schulkinder im Garifuna-Dorf East End warten auf ihren Einsatz bei der Müllsammel-Aktion.
Die Schüler warten auf ihren Einsatz bei der Müllsammelaktion.

C’est ensemble qu’on va changer le monde!, lautet das Motto der Mission 1000 Tonnes. Gemeinsam verändern wir die Welt! 1000 Tonnen Müll will die Initiative aus den Gewässern der Welt ziehen. Melanie deutet auf eine leere Plastikflasche. „Wisst ihr, wie viele Jahre es dauert, bis die zerfällt?“, fragt sie die Kinder vor dem Einsatz. „Ein Jahr“, antwortet ein Mädchen. „Fünf“, sagt ein Junge. Melanie schüttelt den Kopf. „Nein, rund 450 Jahre! Könnt ihr euch das vorstellen? Es dauert etwa 450 Jahre, bis eine Plastikflasche durch Sonne, Wind und Wasser zerfällt. Das ist viel, viel länger als ein Mensch lebt.“

Melanie von der kanadischen Initiative "1000 Tonnes" erklärt den Schulkindern, dass eine Plastikflasche 450 Jahre braucht, um zu zerfallen.
Melanie erklärt den Schülern, dass eine Plastikflasche 450 Jahre braucht, um zu zerfallen. Dorfsprecher Anael unterstützt sie.

Es ist ein Versuch, den Menschen begreiflich zu machen, dass Kunststoff nie vollständig biologisch abgebaut wird, dass schädliche Teile in die Umwelt und in die Nahrungskette gelangen, sprich: wie gefährlich es ist, Plastikflaschen einfach ins Gebüsch zu werfen. Aktionen wie diese gibt es an vielen Orten, auch in Utila, wo die Graswurzelbewegung „Utila Island Cleanups“ aktiv ist.

Manchmal muss man schon ins Unterholz kriechen, um an das Plastik zu kommen.

Es geht los. An einigen Stellen am Strand brauchen sich die Müllsammler kaum bewegen. Da liegt so viel Plastik aufgetürmt herum, dass sie nur einfach alles in die Abfallsäcke stopfen brauchen, bis nichts mehr hineinpasst. An anderen Stellen ist schon mehr Kriecharbeit gefordert. Die blauen Röckchen und weißen Blusen der Mädchen leuchten mal hier im Dickicht, mal dort. Ebenso gut sind die Jungen in ihrer Schuluniform im Gebüsch zu erkennen und die Marinesoldaten in ihren gelben Shirts. Die Segler und andere Müllsammler fallen weniger auf, sind aber nicht weniger aktiv. Am Ende des Vormittags haben alle 1020 Kilo Müll eingesammelt, wie Melanie stolz verkündet. Mit dem Schiff soll er ans Festland zur Entsorgung transportiert werden.

Ein Abfallsack ist schnell mit Plastik gefüllt.

Auf dem Rückweg zum Ankerplatz wandern die Segler der Küste entlang und freuen sich über den wunderbar sauberen Strand. Doch dann: wieder angehäufte Plastikflaschen, Flip-Flops, Schaumstoff…  Erst als es den Trampelpfad hinauf geht, erscheint die Natur weniger bedroht durch schlecht verrottbaren Kunststoff. Am Ziel, der Bucht Cayos Cochinos Marine Park, liegt nichts herum. Die Segler genießen den Blick auf ihre dort liegenden Boote.


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