„Astra denkt: Ich steuere Archivseiten. Elementor dachte: Nein, ich steuere sie und Gutenberg: Ich habe auch noch eigene Block-Layouts. Das Ergebnis: Titel verschwinden, Einstellungen greifen nicht, Datum erscheint nicht, manche Dinge reagieren nicht, andere überschreiben sich.“
ChatGPT zum verhängnisvollen Zusammenspiel der IT-Systeme beim Aufbau unserer Homepage
Verloren im Krieg der IT-Systeme
Der langwierige Weg zur Homepage sailing-amira.de
Von Renate Rüger, 2. Juni 2026
Es ist heiß und feucht. Nur noch vier Segelschiffe ankern neben uns in Utila. Alle übrigen haben sich bereits in Sicherheit gebracht, denn die Hurrikan-Saison hat begonnen. Auch wir wollen so schnell wie möglich los, warten nur noch auf die bestellten zwei Pakete mit den Ersatzteilen. Ich nutze die Zeit und habe mich an meine Homepage gesetzt.

Es ist wirklich furchtbar heiß und feucht. Ich habe das Gefühl im Dickicht und Streit verschiedener Webseitenprogramme unterzugehen. Schweiß läuft mir am Körper herunter, mir wird heißer und heißer. Aber eigentlich ist es die hohe Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent, die mir am meisten zu schaffen macht. Und die Tatsache, dass ich auf unserer Homepage inzwischen noch nicht einmal die Größe einer Überschrift verändern kann. Das Gefühl, in einer speziellen IT-Hölle zu schmoren, kommt auf.

Vor über zwei Jahren hatte ich angefangen, eine Webseite über unsere Segeltour aufzubauen. Mit WordPress und dem hoch gepriesenen Webseiten-Baukasten Elementor. Doch die ersten zwei Seiten, die ich damit aufbaute, änderten ständig ihre Form. Mal stand das Bild zu hoch, mal der Text im Kasten daneben zu tief, mal versuchte ich einen anderen Text nach links zu rücken und musste einen Negativwert eingeben, mal tat ich es an anderer Stelle und brauchte im gleichen Kontext einen Positivwert… Vieles erschien mir unlogisch und alles war ein furchtbares Gefrickel, zumal ich auch noch ein „Theme“ benutzen musste, eine Art Designvorlage für Webseiten, die Schrift, Farbe und Anordnung der Inhalte bestimmt. Ich hatte mich damals für Astra entschieden, weil die Dreierkonstellation WordPress, Elementor und Astra als „eine der stärksten, flexibelsten und zuverlässigsten Kombinationen“ für den Webseiten-Aufbau gilt. Nichts funktionierte jedoch so einfach wie gepriesen und schnell war ich das zeitraubende Herumdoktern an Containern, Textpassagen und Kästen leid, das Ziehen an Bildern, die immer wieder ihren Platz wechseln wollten und die ständige Suche nach der jeweils richtigen Stellschraube. Andere Arbeiten auf dem Boot waren dringender. Außerdem hatte ich ja seit Februar 2024 noch unsere Tracking-Page von PredictWind, auf die ich Beiträge stellen konnte.

„Dein WordPress-Zustand ist inkonsistent geworden“
Es ist heiß und feucht und nun sitze ich wieder vor der Homepage. Inzwischen habe ich neue Seiten aufgebaut – ausschließlich mit dem WordPress-Editor Gutenberg und Astra, weil es einfacher erschien und die Blogseite angeblich so auch schneller aufzurufen ist. Aber Astra reagiert auf manche Einstellungen einfach nicht. Ich rufe Künstliche Intelligenz (KI) zur Hilfe, genauer: ChatGPT, das in Programmierfällen und technischen Codes wie HTML und CSS besser sein soll als die KI Gemini, wie Gemini selbst schreibt. Ein Versuch ist es wert, denke ich. Eine Zeitlang klappt das auch hervorragend. Immer, wenn Astra nicht so will wie ich, gibt ChatGPT mir nach einer (viel zu langen) Reihe an Versuchen einen CSS-Code zum Abschreiben und es läuft. Ganze Romane schreibe ich so in diesem für mich unverständlichen Code. Doch irgendwann, als ich gerade an meiner Archivseite arbeite, funktioniert auch das nicht mehr.

„Dein WordPress-Zustand ist inkonsistent geworden“, schreibt ChatGPT und zählt sechs Systeme auf, die angeblich ineinander greifen. Das Dreigestirn ist demnach das schlimmste. WordPress laufe, aber „Astra denkt: Ich steuere Archivseiten. Elementor dachte: Nein, ich steuere sie und Gutenberg: Ich habe auch noch eigene Block-Layouts. Das Ergebnis: Titel verschwinden, Einstellungen greifen nicht, Datum erscheint nicht, manche Dinge reagieren nicht, andere überschreiben sich.“ Besser hätte ich es nicht beschreiben können. „Die Art, WER WAS darstellen soll“ sei kaputt, erklärt die KI und rät davon ab, das Astra-Archiv weiter zu reparieren. Stattdessen solle ich eine neue Archivseite mit Astra bauen. Und als auch das nicht klappt? Da greifen wir nach vier Tagen Hin und Her wieder auf Elementor zurück.

Es ist heiß und feucht. Ich komme mir vor wie Captain Kirk, der auf dem Raumschiff Enterprise den Bordcomputer befragt. Diesmal geht es um die Menüleiste, ChatGPT führt mich mit seinen Lösungsvorschlägen zwei Mal im Kreis und gibt dann auf. Ich solle Astra um Rat fragen, erklärt die KI. Astra solle mir einen bestimmten Filter-Code geben, den ich als Schnipsel über das Zusatzmodul (Plugin) „Code Snippets“ ins System einfügen solle. Der erste Code, den mir die Astra-KI prompt schickt und den ich ChatGPT (angeblich zur Kontrolle) noch einmal genau abtippen soll, wirkt nicht, der zweite, dritte und vierte auch nicht. Nun bleibe nur eine sinnvolle Maßnahme, schreibt ChatGPT: den Astra-Support anschreiben, also einen Menschen. Und ChatGPT liefert mir sogleich einen Text für die Anfrage, so als könnte ich nicht selbst ein Schreiben aufsetzen. Die Antwort kommt drei Tage früher als angekündigt: Nein, nicht Astra, sondern Elementor stecke hinter der Menüleiste.

Unglaublich! Den Header, die obere Menüleiste, hatte ich vor zwei Jahren mit Astra angefertigt – schon allein aus dem Grund, weil Elementor damals noch gar nicht in der Lage war, einen Header zu bauen. Dann kam irgendwann ein Elementor-Pro-Update. Und dieses Update hat offensichtlich einfach meinen Astra-Header überschrieben.

Es ist heiß und schwül. Seit Tagen läuft mir der Schweiß dem Körper herunter, meine Haare sind nassgeschwitzt und mein Kopf tropft. KI Hin, KI Her: Durch ChatGPT habe ich mich oft im Kreis bewegt. Die KI hat mich fast wahnsinnig gemacht, wenn ich bestimmte Schritte wieder und wieder wiederholen sollte. Kommentare wie „Es ist nicht deine Schuld“ (hatte niemand behauptet) oder Ankündigungen wie jetzt komme „definitiv die richtige Lösung“ (die natürlich nicht kam) fand ich extrem nervig. Aber ich bin weitergekommen. Und nun zeigt sich ChatGPT begeistert von der menschlichen Antwort des Astra-Supports.

Ich liege jetzt in den letzten Zügen. Der Feinschliff fehlt noch. Die Desktop-Version ist okay, bei der Tablet- und der Mobile-Einstellung muss ich noch nacharbeiten. Am meisten stören mich die Bilder auf der Blogseite am Smartphone: Dort werden aus Querformat-Bildern einfach Hochformat-Bilder gemacht, sprich: Es wird an den Seiten etwas abgeschnitten, wie auf dem Foto ganz oben in diesem Beitrag zu sehen ist. ChatGPT kommt zu dem Schluss, das dies eine bestimmte Vorgabe von Astra ist, die sich nicht ändern lasse. Ich weiß es nicht. Aber ich gebe unsere Homepage nun frei, sodass sie abgerufen werden kann. Denn ohne das verweigert das Plugin MailPoet seinen Dienst. Es will meine Webseite aus technischen und rechtlichen Gründen vorher überprüfen. Erst dann können Leser auf sailing-amira einen Newsletter bestellen, der ihnen Bescheid gibt, sobald ein neuer Beitrag erscheint. Wir sind gespannt, ob das klappt. Wer unsere Seite auf dem Smartphone oder Tablet nicht so gut wie gewünscht lesen kann, dem raten wir, unbedingt die Desktop-Version zu benutzen, sprich: die Seite am PC oder Laptop aufzurufen.

Die Seite sailing-amira soll ständig erweitert werden. Neue Beiträge werden in der Segelsaison im Ein- bis Zwei-Wochen-Rhythmus veröffentlicht, ältere Beiträge, die zuvor auf unserer Tracking-Page erschienen sind, sollen peu à peu im Archiv hinzugefügt werden. Anregungen nehmen wir dankbar an unter renate.rueger@sailing-amira.de. Und nun wünschen wir: Viel Spaß beim Lesen!
Nachtrag: Die automatische Newsletter-Versendung hat nicht geklappt. Ein Eintrag in der serverseitigen Skriptsprache PHP hat das verhindert. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Ein IONOS-Mitarbeiter erklärte, er und seine Kollegen könnten in PHP nichts ändern, weil das zu gefährlich sei – ein kleiner Fehler und schon laufe die ganze Webseite nicht mehr. Ich selbst habe es über ein Plugin versucht, konnte die entscheidende Stelle im PHP aber nicht ändern. Vielleicht war das gut so, denn es drohte bereits der „weiße Bildschirm des Todes“ (White Screen of Death), wie die KI Gemini es formulierte: ein Absturz des kompletten WordPress.
